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Bruno Maderna

"Das Schlimmste auf der Welt ist Konsequenz. Ich hasse es, konsequent zu sein, denn das ist tödlich". Dementsprechend inkonsequent war sein Zugang zur Musik. Innovativ sollte sie sein, aber nicht zwanghaft avantgardistisch, traditionell fundiert und trotzdem in die Zukunft weisend.

Vielleicht war es auch schlicht ein Phänomen der Langeweile, das den Venezianer Maderna dazu brachte, ständig nach Inspirationen zu suchen. 1953 zum Beispiel gründete er zusammen mit Luciano Berio das Mailänder Studio die fonologia musicale beim Rundfunksender RAI, von 1954 an unterrichtete er in Darmstadt, leitete von 1958-67 das dortige Kammerensemble und avancierte 1972 zum Chef-Dirigenten der RAI. Zwischendurch probierte er es mit seriellen und elektroakustischen Kompositionen, wandte sich dann aber wieder echten Instrumenten und deren räumlicher Klangwirkung zu.


Biographie

Bruno Maderna (21. April 1920 in Venedig - 13. November 1973 in Darmstadt; geboren als Bruno Grossato; nahm später den Mädchennamen seiner Mutter Maderna an) war ein italienischer Komponist, Dirigent sowie Lehrer auf beiden Gebieten.
Maderna erhielt als (vermutlich nicht leiblicher) Sohn des Unterhaltungsmusikers Umberto Grossato früh musikalischen Unterricht im Violinspiel und war in jungen Jahren als eine Art Wunderkind auf diesem Instrument die Attraktion im Ensemble seines Vaters. Im Alter von 12 Jahren dirigierte er bereits verschieden Opernorchester in Norditalien. Er studierte Komposition zunächst in Mailand bei Arrigo Pedrollo und dann an der Academia Santa Cecilia in Rom bei Alessandro Bustini. Er schloss sein dortiges Studium 1940 mit einem Diplom ab. 1941 wurde er Schüler im Fach Dirigieren bei Antonio Guarnieri an der Accademia Musicale Chigiana in Siena, 1942/43 folgten weiterführende Studien in Komposition bei Gian Francesco Malipiero an der Accademia Benedetto Marcello in Venedig, danach wurde er zum Kriegsdienst in die italienische Armee eingezogen und und kämpft als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Gegen Kriegsende schließt er sich antifaschistischen Partisanen an und gerät kurz in deutsche Gefangenschaft.

Von 1948 bis 1952 war er Dozent an der Accademia Benedetto Marcello, dort nahm er 1948 gemeinsam mit seinem Freund und Schüler Luigi Nono an einem Dirigierkurs bei Hermann Scherchen teil, der ihn auch mit der musikalischen Analyse und Zwölftonmusik der Zweiten Wiener Schule bekannt machte. Nach Scherchens Anregung besuchte er 1949 zum ersten Mal die Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. Seine internationale Dirigentenkarriere beginnt 1950 mit Auftritten in Paris und, auf Einladung von Karl Amadeus Hartmann, München. Im Jahr 1955 (1954 nach andere Quellen) gründete er zusammen im Luciano Berio für die RAI in Mailand das Studio de la Fonologia Musicale für elektronische Musik. Dort organisierte er mit den Icontri musicali zwischen 1956 und 1960 eine Reihe von Veranstaltungen, die sich um die Verbreitung der Kenntnis zeitgenössischer Musik bemühten und hielt 1957/58 am Mailänder Konservatorium Kurse über die Technik des seriellen Komponierens ab. Nach 1956 nahm er regelmäßig als Dozent und Dirigent an den Darmstädter Ferienkursen teil, gründet dort 1961 dessen Internationales Kammerensemble und leitete es bis zu dessen Auflösung 1967 zusammen mit Pierre Boulez. 1963 nahm er seinen Wohnsitz in Darmstadt. 1971 wurde er kurz zum Chefdirigenten des RAI-Sinfonieorchesters Mailand berufen.

In seinem letzten Lebensjahrzehnt übertrag der Ruf des international erfolgreichen Dirigenten Maderna in der öffentlichen Wahrnehmung den des Komponisten, er leitete bedeutende Orchester in Europa, gab Gastspiele in Tokio (1961) und Buenos Aires (1964), mit Beginn der 1970er Jahre dirigierte er verstärkt auch in den USA. Er lehrte von 1960 bis 1962 bei der Dartington Summer School in England, ab 1967 am Rotterdamer Konservatorium. Er hielt Dirigierkurse am Mozarteum Salzburg zwischen 1967 und 1969 und in Darmstadt im Jahr 1969. 1971/72 war er Direktor des Berkshire Music Center in Tanglewood. 1972 wurde ihm für seine Radiokomposition Ages der Prix italia verliehen.

Maderna verstarb am 13. November 1973 an Lungenkrebs.


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