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Salvatore Sciarrino (*1947)

Salvatore Sciarrino, 1947 in Palermo geboren, hat als einer der profiliertesten postseriellen Komponisten Italiens dem Primat der abstrakten Struktur, den er am Serialismus kritisierte, früh den Primat des Klangs entgegengestellt. So verfolgte der Schüler Franco Evangelistas eine nicht entwickelnde, sondern eher reihende Kompositionstechnik, die dem Fluß und dem Gestaltwandel der einzelnen Klänge an den Rändern der Stille nachhorcht, dort, wo der Maler weiß oder schwarz denken würde.

Diese Dialektik der farblichen Extreme spiegelt sich in Sciarrinos Schaffen unter anderem in der 1981 entstandenen Ensemblekomposition Introduzione all‘oscuro („Einführung in die Dunkelheit“) wieder, der 1986, gleichsam als Gegenstücke, die Esplorazione del bianco I-III („Erkundungen des Weißen“) an die Seite traten.

Es handelt sich um „Grenzerfahrungen“ vor dem Hintergrund der Stille, tastende Klänge, eingefangen vor dem musikalischen „Sündenfall“ traditioneller Tonwerdung, sondierte Gesten, geheimnisvoll unergründlich und crescendierend auf dem Weg zu individueller Gestaltung; bevor aber ihre Kontur auf Zeit gestellt wird, ereilt sie das Decrescendo, das sie wieder dorthin zurückführt, wo sie herkamen - in das Nichts, das nicht nur Folie, sondern Basso ostinato ist.

Nicht der große Rahmen eines übergeordneten formalen Zusammenhangs bestimmt und relativiert den Wert der einzelnen Teilmomente (nach Sciarrino ein Merkmal der Musik der Vergangenheit), sondern diese selber - „Augenblicke und Ereignisse“, „Linien, die wie ein Horizont im Raum stehen und sozusagen die Luft anhalten“ (Sciarrino) - werden in aller Besonderheit, in aller Isolierung und mit allen Schründen hervorgekehrt. Alles ein Frage der richtigen Beleuchtung.


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