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Isang Yun (1917 - 1995)

„Ein Komponist kann die Welt, in der er lebt, nicht gleichgültig betrachten. Menschliche Leiden, Unterdrückung, Unrecht... all das kommt zu mir in meinen Gedanken. Wo es Schmerzen gibt, wo es Unrecht gibt, will ich mitsprechen durch meine Musik.“ (Isang Yun, 1983).

Das OEuvre Isang Yuns ist getragen vom flexiblen, lebendigen Ton der traditionellen Musik seiner Heimat. Indem Yun in seine „Hauptton“-Technik Dodekaphonie und „entwickelnde Variation“ integriert, steht er auch in europäischer Tradition. Sein Komponieren verschmilzt Östliches und Westliches zu einem singulären Personalstil, der Kunst des gleitenden Übergangs aus dem Geiste des Tao.

Als Isang Yun am 17. September 1917 in der Nähe der südöstlichen Hafenstadt Tongyông geboren wurde, stand die koreanische Halbinsel unter japanischer Fremdherrschaft. Yun beteiligte sich am anti-japanischen Widerstand, wurde 1943 verhaftet und gefoltert. Mit dem Kulturpreis der Stadt Seoul (1955) ausgezeichnet, konnte er 1956-59 in Paris und Berlin studieren. In Berlin lernte er bei dem Schönberg-Schüler Josef Rufer das Komponieren „mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“; von Deutschland aus fand er den Anschluß an die internationale Avantgarde.
Viel beachtet wurde 1965 das buddhistische Oratorium Om mani padme hum; mit der Uraufführung des Orchesterstücks Réak in Donaueschingen gelang 1966 der internationale Durchbruch. 1967 vom südkoreanischen Geheimdienst nach Seoul entführt und gefoltert, wurde Yun des Landesverrates angeklagt. In einem politischen Schauprozeß in erster Instanz zu lebenslänglicher Haft verurteilt, kam er nach internationalen Protesten 1969 frei. 1971 wurde er deutscher Staatsbürger.
Von 1970 bis 1985 lehrte Yun Komposition an der Hochschule der Künste Berlin, seit 1974 als Professor. Sein OEuvre umfaßt mehr als hundert Werke, darunter vier Opern sowie mehrere Instrumentalkonzerte. In den achtziger Jahren entstanden fünf große, zyklisch aufeinander bezogene Symphonien; in dieser Zeit entwickelte Yun einen neuen Ton auch in seinen Kammermusikwerken, die durch das Streben nach Harmonie und Frieden gekennzeichnet sind. Versöhnung auf der koreanischen Halbinsel war zugleich sein politisches Ziel.
Isang Yun starb am 3. November 1995 in Berlin, wo er in einem Ehrengrab der Stadt beigesetzt wurde. Er war Mitglied der Akademien der Künste in Hamburg und Berlin sowie der Academia Scientiarum et Artium Europaea in Salzburg, Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik, Ehrendoktor der Universität Tübingen und Träger der Goethe-Medaille des Goethe-Instituts sowie des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.


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